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Steckbrief Follikuläres Lymphom
Überblick
Das follikuläre Lymphom ist eine Form von Lymphdrüsenkrebs. Es gehört zu den sogenannten Non-Hodgkin-Lymphomen und entsteht aus bestimmten weißen Blutkörperchen, den B-Lymphozyten. Diese Zellen sind Teil des Immunsystems. Beim follikulären Lymphom verändern sie sich bösartig und können sich in Lymphknoten, im Knochenmark, in der Milz oder in anderen Organen ansammeln.
Typisch für das follikuläre Lymphom ist, dass es meist langsam wächst. Ärztinnen und Ärzte sprechen deshalb von einem „indolenten“ Lymphom. Die Erkrankung kann über längere Zeit bestehen, ohne starke Beschwerden zu verursachen. Viele Betroffene bemerken zunächst nur vergrößerte, meist schmerzlose Lymphknoten, zum Beispiel am Hals, unter den Achseln oder in der Leistengegend. Manche haben auch allgemeine Beschwerden wie Fieber, Nachtschweiß, ungewollten Gewichtsverlust, Müdigkeit oder eine erhöhte Infektanfälligkeit.
Das follikuläre Lymphom tritt vor allem im höheren Erwachsenenalter auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt etwa zwischen 60 und 65 Jahren. Eine eindeutige Ursache für seine Entstehung konnten Forschende bislang nicht finden. Vermutlich wirken mehrere Faktoren bei der Entwicklung eines follikulären Lymphoms zusammen, etwa das gehäufte Auftreten in der Familie, Lebensstilfaktoren wie Rauchen, aber auch Umweltfaktoren wie Pestizide.
Diagnose und Behandlung
Bei Verdacht auf ein follikuläres Lymphom fragen Ärztinnen und Ärzte zunächst nach Beschwerden, Vorerkrankungen und möglichen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust. Anschließend werden die Lymphknoten abgetastet und Blutwerte untersucht. Um die Diagnose zu sichern, wird in der Regel ein auffälliger Lymphknoten ganz oder teilweise entnommen und im Labor untersucht. Weitere Untersuchungen, zum Beispiel mit Ultraschall, Computertomografie oder in bestimmten Fällen mit PET-CT, zeigen, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Auch das Knochenmark wird häufig untersucht. Eine präzise Diagnostik ist entscheidend, um das Stadium der Erkrankung und die passende Behandlung festzulegen.
Ist das follikuläre Lymphom auf eine begrenzte Körperregion beschränkt, kann eine Strahlentherapie – teilweise kombiniert mit einem Antikörpermedikament – mit dem Ziel der Heilung eingesetzt werden. Bei vielen Betroffenen wird die Erkrankung jedoch erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. In dieser Situation ist dauerhafte Heilung mit den derzeitigen Standardtherapien oft nicht möglich. Vielmehr geht es dann darum, die Erkrankung möglichst lange zu kontrollieren und Beschwerden zu lindern. Sofern keine Beschwerden bestehen und das Lymphom nur langsam wächst, wird deshalb nicht sofort eine Behandlung begonnen, sondern der Verlauf engmaschig kontrolliert. Dieses Vorgehen heißt „watch and wait“, also abwarten und regelmäßig beobachten.
Eine Behandlung wird begonnen, wenn das Lymphom Beschwerden verursacht, rasch wächst, die Blutbildung beeinträchtigt oder Organe bedrängt. Die Standardbehandlung ist dann häufig eine Kombination aus Chemotherapie und einer Immuntherapie mit einem Antikörper. Die Medikamente richten sich gegen bestimmte Merkmale auf den Lymphomzellen und unterstützen das Immunsystem dabei, die erkrankten Zellen zu bekämpfen. Nach erfolgreicher Erstbehandlung kann in manchen Fällen eine Erhaltungstherapie folgen, um die krankheitsfreie Zeit zu verlängern.
Kommt das follikuläre Lymphom nach einer Behandlung zurück, wird erneut geprüft, ob sofort behandelt werden muss. Für Rückfälle stehen heute verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche Therapie geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, welche Behandlung bereits erfolgt ist, wie lange sie gewirkt hat und wie belastbar die betroffene Person ist.
Ausblick
Das follikuläre Lymphom verläuft sehr unterschiedlich. Bei vielen Betroffenen wächst es langsam und lässt sich über lange Zeit gut kontrollieren. In frühen Stadien ist oft eine Behandlung mit dem Ziel der Heilung möglich. In fortgeschrittenen Stadien ist die Erkrankung meist nicht dauerhaft heilbar, kann aber häufig über viele Jahre zurückgedrängt werden.
Wichtig sind regelmäßige Nachsorgetermine. Neben der Kontrolle der Erkrankung geht es in der Nachsorge auch darum, mögliche Spätfolgen der Behandlung frühzeitig zu erkennen.
Literatur:
[1] Herold M. Follikuläres Lymphom. In: Kreuzer K, von Tresckow B, ed. Checkliste Hämatologie. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2025.
[2] DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. Leitlinie Follikuläres Lymphom. Stand Juli 2025. Im Internet: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/follikulaeres-lymphom/@@guideline/html/index.html